Wie sich durch die Faulheit und Verzicht auf Bürokratie schließlich bei der Steuererklärung eine große Sparsumme ergeben hat, und wie sich durch zu viele kleine Faulheiten und Unachtsamkeiten eine Unmenge an verlorenem Geld einfach in Luft aufgelöst hat.

Ich habe an diesem Wochenende meine Steuererklärung fast abgeschlossen. Es hat mich eineinhalb Tage gekostet, aber es hat sich gelohnt. Es war mir keine Mühe oder Last, sondern eine Freude. Nicht etwa eine Freude, dem Staat das Geld aus der Tasche zu ziehen, sondern eine Freude, meinen Anspruch gegenüber dem Staat geltend zu machen, weil ich das Jahr über zu viel Geld an den Staat entrichtet habe. Dies war ein ordentlicher Batzen, weil ich immer zu faul war, beim Finanzamt meine Steuerklasse ändern zu lassen, und auch meine Frau nach der falschen Steuerklasse besteuert wurde.

Jetzt wandert das Zuviel komplett auf die hohe Kante

Schlimm ist das aber nicht – sofern man sich am Ende des Jahres genug Zeit nimmt, diesen „Fehler“ auszumerzen. Zudem ist es, genauer betrachtet, eine hervorragende und große Sparmöglichkeit – mit der ich mir selbst übers Jahr hinweg einen geringeren Nettolohn vorgetäuscht habe. Jetzt wandert das Zuviel komplett auf die hohe Kante. Erst aufs Tagesgeldkonto – und bei Gelegenheit ins Depot.

Eine riesen Dummheit ?

Einige Leser werden jetzt verschmitzt lächeln und fragen, wie man es nur soweit kommen lassen kann. Ich habe viele Bekannte, die angesichts eines solchen Verhaltens denken, dass es eine riesen Dummheit von mir war, die Steuerklasse nicht zu ändern: Schließlich sind mir ja Zins und Zinseszins solch möglicher Sparbeträge entgangen – insbesondere, wenn ich sie in meinen letztjährigen Aktiendepot angelegt hätte.

Ich glaube aber nicht, dass es wirklich so weit gekommen wäre. Viele meiner Bekannten hätten diesen Betrag durch eisernes Sparen niemals zusammenbekommen – sie hätten das Meiste schlicht und aus Gewohnheit verkonsumiert. Man meint schließlich zu wissen, dass auch der eigene Lebensstandard steigen muss, wenn sich der Lohn erhöht. Mein Bruttolohn hat sich jedoch kaum nach oben verändert – lediglich Netto durch veränderte Steuermerkmale. Und da es mir rundum gut geht, habe ich auch den Konsum entsprechend auch nicht hochgefahren.

Beim papierlosen Büro war ich nicht faul

Spaß hat mir die Steuererklärung auch gemacht, weil ich bereits alles dafür im letzten Jahr vorbereitet hatte. Ich musste nicht zu einem Steuerberater oder zu einem oft schlechten Steuerhilfering, um mir bei der Erklärung helfen zu lassen. Durch meine eigene Haushaltskontrolle im letzten Jahr und akribische Aufbewahrung aller Rechnungen, Belege, Bescheinigungen und Briefe von Bank, Versicherung, Arbeitgeber und Broker war es mir ein Leichtes, ohne großes Suchen die Steuererklärung am eigenen PC mit WISO Steuer-Sparbuch zu beginnen. Anstatt mich stundenlang und nervenaufreibend mit den Finanzämtern herumzuschlagen, um herauszufinden, wer denn nun für mich zuständig ist und welche Belege ich benötige, um meine Steuerklasse zu ändern, habe ich diese Zeit lieber genutzt und mein papierloses Büro gepflegt.

Aller Papierkram, alle Briefe, Belege etc. wurden monatlich von mir eingescannt und in verschiedene Ordner verschoben. Es ist ein tolles Gefühl, wenn man dringend ein zuvor für unwichtig erklärtes Schriftstück wieder hervorzaubern kann, in dem man einfach die Suchfunktion des PCs nutzt. Mit der disziplinierten und hundertprozentigen Komplettaufbewahrung aller Schriftstücke konnte ich schon viele Bürokratiekriege für mich entscheiden. Nur wer den Nachweis hat, gewinnt auf dem Amt und beim Arbeitgeber. Meine Frau hat alles im Schuhkarton und in Leitz-Ordern gesammelt – ebenso effizient (man findet es eben dann, wenn man es dringend braucht), nur eben nicht ganz so papierlos 🙂

Stress und Nachsichtigkeit im Kleinen hat in der Summe viel Geld gekostet

Was mich jedoch sehr verärgert, sind die vielen kleinen Sparmöglichkeiten, die mir im vergangenen Jahr entgangen sind. Im Urlaub wurde mir das bereits bezahlte Auto nicht geliefert. Eine Ticketstornierung wurde vom Kundenservice mit einer Standardmail abgeblockt – zwei weitere Emails wären erforderlich gewesen, um endlich doch das Recht zugestanden zu bekommen. Eine falsche Abbuchung wurde vergessen rückgängig zu machen. Ein schlechter und vorbezahlter Service wurde nicht reklamiert. Und mit der Vermieterin habe ich mich auch nicht angelegt. Um mir den Stress zu ersparen, habe ich die Spülmaschinenreparatur lieber selbst gezahlt. Auch sind mir jetzt bei der Steuererklärung Fehler auf Belegen aufgefallen, die ich nie akzeptiert hätte, wenn sie mir rechtzeitig aufgefallen wären. Ein Jahr später ist es mir nicht mehr möglich, die 22 € Porto (statt 2,20€) zurückzuverlangen.

Nicht knausrig aber ordentlich

Es sind die vielen kleinen Faulheiten, Fehler wegen Missverständnissen und Nachsicht, die zusammengenommen viel Sparpotential bieten. Ich werde mir zukünftig eine Notizseite auf dem Handy einrichten um diese kleinen To-Dos abzuarbeiten, die man im rauschenden und schnellen Leben gerne vergisst. Dann werde ich mich vielleicht auch daran erinnern, dass mir noch ein Freund oder Kollege Geld schuldet oder ich noch eine Beschwerde an die Bahn schreiben muss.

Gefährlich ist dann nur das andere Extrem, nämlich der Versuch, sich um jede Kleinigkeit zu kümmern. Man wäre nicht nur knausrig und spießig, sondern würde enorm viel Lebenszeit dadurch verschwenden. Aufwand und Ertrag muss sich, wie immer im Leben, die Waage halten.

euer Pari

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