In Sachwerte wie Oldtimer oder hochwertige Getränke wie Whisky zu investieren ist vor allem etwas für Menschen mit Sammelleidenschaft. Im August hat Spiegel Online einmal wieder einen Artikel zum Anlageobjekt Whisky veröffentlicht. Wir haben uns dieses Thema einmal näher angesehen.

Der Spiegel titelte “Whisky als Geldanlage – Hochprozentige Rendite”, “Flaschengold” wird als Alternative zu “Betongold” gepriesen, die Wirtschaftswoche urteilte “Clevere Geldanlage” – keine Frage, das Thema taucht seit Jahren mit schöner Regelmäßigkeit in den Medien auf.

Wenn es um Whisky als Investment geht, geht es fast ausschließlich um Single Malt Whisky aus seiner Ursprungsregion Schottland; lediglich einige japanische Destillate spielen bisher noch eine Rolle in diesem Segment. Dessen ungeachtet gibt es eine Reihe von Ländern wie Schweden oder auch Deutschland, in denen ebenfalls Single Malt Whiskies produziert werden. Zwar listen manche Auktionsplattformen wie http://whiskyauction.com auch Flaschen aus diesen Ländern, bisher stehen diese jedoch bei Sammlern nicht sonderlich hoch im Kurs.

Hohe Wertsteigerungspotenziale

Tatsächlich sind hohe Wertsteigerungen bei Single Malt Whiskies keine Seltenheit. So hat es eine 6-Liter-Flasche der Destillerie Macallan bei einer Auktion in Hongkong auf 650.000 US-Dollar gebracht. Zuletzt wurde dieser Rekord im Mai 2018 pulverisiert, als ebenfalls in Hongkong zwei Flaschen des extrem raren The Macallan Valerio Adami 1926, abgefüllt im Jahr 1986, für jeweils über 1 Mio. US-Dollar versteigert wurden. Wer in diesen Größenordnungen investieren kann, hat dazu demnächst Gelegenheit: Am 3. Oktober offeriert das Auktionshaus Bonhams, über das auch die genannten Rekorde erzielt wurden, in Edinburgh eine weitere Flasche The Macallan Valerio Adami 1926 zu einem geschätzten Preis von 700,000-900,000 britischen Pfund.

Die historische Performance von acht Jahre altem schottischen Single Malt zwischen 2008-2017 liegt nach Angaben des Whisky-Brokers Whisky Invest Direct im Schnitt bei 15,2 % im Jahr. Eine etwas andere Bewertung führt bei dem Referenzindex Rare Whisky Index APEX 1000 zu einer jährlichen Rendite von 12 %. Der Rare Whisky Apex 1000 stieg im vergangenen Jahr um 28 %, seit 2010 um 370 %.

Single Malt-Regal im big market, Berlin

Möglichkeiten für Whisky-Investments

Wer sich für Whisky als Anlageobjekt interessiert, sollte sich gründlich informieren, bevor es an erste Kaufentscheidungen geht. Geeignete Informationsquellen gibt es im Internet in großer Zahl, darunter der schon genannte Rare Whisky Index APEX 1000. Der World Whisky Index ist eine Plattform, auf der die Preise der verschiedenen Hersteller erfasst werden. Damit wird eine Wertkalkulation möglich, Anleger können auf der Plattform auch mit den Flaschen handeln.

Grundsätzlich gilt, dass die Flaschen rar sein müssen – in der Regel mindestens 18 Jahre alt. Zudem müssen sie verkapselt und mit der Originalverpackung ausgestattet sein. Zur Knappheit trägt bei, dass die Destillerien von den einzelnen Fässern verschiedene Abfüllungen und limitierte Editionen auflegen.

Scotch Single Malt Whisky unterliegt zudem strengen Regularien. Er darf nur in Schottland destilliert werden und muss auch dort im Eichenfass reifen. Vor der ersten Abfüllung muss er zudem mindestens drei Jahre alt sein und ein Alkoholvolumen von mindestens 40 % haben.

Zudem waren die Produktionsmengen in der Vergangenheit oft nicht hoch, und es soll auch vorkommen, dass Flaschen ausgetrunken werden. Ein wichtiger Einflussfaktor für die Whisky-Produktion sind zudem die benötigten Fässer. Abhängig von deren ursprünglicher Nutzung, etwa für Sherry, sind diese ausgesprochen knapp, so dass auch dadurch die produzierten Mengen limitiert bleiben.

Alternative Beteiligungsmöglichkeiten

Wer sich an den Chancen von Whisky beteiligen möchte, findet hierfür indes auch eine Reihe konventioneller Möglichkeiten. Kaum einer der großen, börsennotierten Getränke-Konzerne verzichtet auf einen schottischen Single Malt-Produzenten im Markensortiment. Der US-Konzern Brown-Forman (US1156372096) ist die Muttergesellschaft von Jack Daniel’s, aber auch die Single Malt-Marken Glendronach, Benriach und Glenglassaugh gehören zum Portfolio.

Das französische Luxusartikel-Konglomerat LVMH (FR0000121014) hat Ardbeg und Glenmorangie im Angebot. Die Cognac-Spezialisten Remy Cointreau (FR0000130395) haben sich Bruichladdich einverleibt, Pernod Ricard (FR0000120693) besitzt Glenlivet. Die italienische Davide Campari Milano (IT0005252207) führt Glen Grant im Sortiment.

Das britische Konglomerat Diageo (US25243Q2057), zu dem auch der bekannte Blended Malt Johnny Walker gehört, weist mit 30 einzelnen Destillerien fast schon Fonds-Charakter auf. Zu den Single-Malt-Marken des Hauses zählen Klassiker wie Cardhu, Lagavulin, Mortlach, Talisker und The Singleton.

In Südafrika ist die Distell Group (ZAE000248811) zuhause, Besitzerin der Destillerie Bunnahabhain auf der Insel Islay. Last, but not least, ist der japanische Konzern Suntory (JP3336560002), u. a. Besitzer der Bourbon-Marke Jim Beam, Eigentümer der Single Malt-Destillerien Ardmore, Bowmore und Laphroaig sowie der ältesten japanischen Single Malt-Destillerie Yamazaki.

Der Produzent des bei Sammlern begehrtesten Whiskys – The MacAllan – Edrington ist dagegen ein privates Unternehmen, dessen Anteile einem gemeinnützigen Trust gehören. Dieser hat seit 1961 mit mehr als 150 Mio. britische Pfund schottische Wohlfahrtsorganisationen sowie Schülern und Studenten aus einkommensschwachen Haushalten finanziell unterstützt.

Auch im Fondsbereich gibt es einige Whisky-spezifische Angebote. Diese sind allerdings wahlweise sehr elitär, bereits geschlossen, oder bestimmten Regionen vorbehalten. Dazu zählt etwa der 2014 in Hongkong aufgelegte Platinum Whisky Investment Fund. Der Fonds ist inzwischen geschlossen, nachdem 27 vornehmlich aus Hongkong und Singapur stammende Investoren 12 Mio. US-Dollar eingelegt haben. Bis Oktober 2017 hat der Fonds gut 9 Mio. US-Dollar in 14.000 Flaschen und Sammlungen seltener Malt-Whiskys investiert, die in den nächsten vier Jahren sukzessive verwertet werden sollen. Darunter befand sich auch ein Macallan Adami 1926.

Vorsicht vor Fälschungen

Weltweite Schlagzeilen hat im vergangenen Jahr ein chinesischer Tourist gemacht, der in einem Schweizer Luxushotel für ein Glas Macallan Whisky aus dem Jahr 1878 9.999 Schweizer Franken bezahlt hatte. Kaum hatte er nämlich stolz Bilder von dem teuren Moment auf seinem Social Media-Account gepostet, als auch schon mehrere Whisky-Sammler Zweifel an der Echtheit des uralten Macallans äußerten.

Eine Labor-Überprüfung in Schottland brachte kurz darauf die Gewissheit, dass der Malt eine Fälschung war. Statt eines Macallan von 1878 wurde ein Blend abgefüllt, der vermutlich zwischen 1970 und 1972 hergestellt wurde.

Dass es sich dabei keineswegs um einen spektakulären Einzelfall handelt, zeigen weitere Berichte, die ebenfalls Macallan betreffen – kein Wunder eigentlich, schließlich führen Flaschen dieser Destillerie wie bereits erwähnt auch die Rangliste der teuersten Whiskys der Welt an.

Hochprozentige Aussichten

Experten gehen angesichts der seit Jahren wachsenden weltweiten Nachfrage, vor allem aus Asien, und des Problems, dass es wie bereits erwähnt einen eklatanten Mangel vor allem an den für viele Marken wichtigen Sherry-Fässern gibt, von einer anhaltenden und eher zunehmenden Knappheit des gefragten Guts aus. Alternativ kann man den Whisky natürlich auch trinken – die Lagerung ist unaufwändig und über lange Zeiträume möglich.

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